Titelbild Regattas

Starnberg 1.5. - 3.5.2015

Bericht in der Süddeutschen Zeitung

Von Ralf Tögel, Tutzing  
 
Es ist eine einfache Regel, der sich am vergangenen Wochenende 144 unerschrockene Segler entgegenstellten: Kein Wind, keine Wettfahrten? Mitnichten. Der Start in die dritte Saison der Segel-Bundesliga am Starnberger See hätte zwar besseres Wetter verdient gehabt, doch der gastgebende Deutsche Touring Yacht-Club (DTYC) aus Tutzing sowie die mitveranstaltenden Kollegen vom Münchner Yacht-Club (MYC) aus Starnberg schafften es trotz aller Widrigkeiten, ein durchwegs gelungenes Event auf die Beine zu stellen.

"Mir ist jetzt noch kalt", scherzte Wolfgang Stückl. Der Vorsitzende des DTYC war verantwortlich für die Durchführung des Rennwochenendes für die erste Bundesliga. Er könne sich nicht daran erinnern, dass es "dreieinhalb Tage durchgeregnet hat". Von 90 geplanten Rennen der ersten und zweiten Liga brachten die beiden veranstaltenden Segelklubs immerhin 36 Wettfahrten ins Wasser. Das größere Problem für die besten 36 Segel-Teams, die aus der ganzen Republik nach Tutzing angereist waren, war aber der ausbleibende Wind. Der immerhin frischte nach übler Flaute während der ersten beiden Wettkampftage am abschließenden Sonntag auf, weshalb "wir eine Fahrt nach der anderen rausgehauen haben", wie sich Stückl erinnert. "Natürlich kann man nicht ganz so zufrieden sein", so Stückl, aber letztendlich sei auch dank der Helfer "für die Wettkampfleitung alles super gelaufen".

Ein weiteres Trostpflaster bekam der DTYC-Vorsitzende von seiner Mannschaft, denn die Crew des Touring Yacht-Clubs kam am besten mit den Windverhältnissen zurecht und gewann den Saisonauftakt. "Es ist sehr, sehr gut gelaufen für uns", freute sich Steuermann Julian Stückl. Der Meisterschaftszweite des Vorjahres unterstrich damit schon im ersten Rennen seine Titelambitionen überdeutlich, wenngleich das offizielle Ziel von Trainer Norbert Wagner "Platz sechs in der Endabrechnung" ist. Diese defensive Herangehensweise dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass die Tutzinger ihre junge Mannschaft nicht zu sehr unter Druck setzen wollen. Die indes macht einen stabilen Eindruck: "Ich glaube, für uns war der Druck hier schon noch ein bisschen höher als für die anderen", sagte Team-Taktiker Patrick Follmann, "es waren schwierige Bedingungen, weil man bei keiner Wettfahrt durchgehend Druck in den Segeln hatte." Der Ertrag freilich war groß: "Besser geht's nicht." Gemäß der Teamorder fing Steuermann Stückl die Erwartungen gleich wieder ein: "Es ist die erste von sieben Regatten, das ist ein guter Einstieg, mal sehen wie es sich entwickelt."

Auf eine positive Entwicklung hofft auch Michael Liebl. Der Steuermann des Münchner Yacht-Clubs hat natürlich ganz andere Ambitionen als die DTYC-Kollegen. "Unsere Erwartungshaltung als Aufsteiger ist ganz klar der Klassenerhalt", erklärt Liebl. Der 17. und vorletzte Platz im Feld sehe zwar nicht gerade gut aus, aber "gefühlt waren wir gar nicht so weit weg". Jetzt wisse die Mannschaft dafür, "wo wir noch Defizite haben", welche man schnell ausmerzen werde: "Als Aufsteiger muss man erst mal lernen." Die Starnberger hätten sehr viel bei Wind trainiert, erzählt Liebl, die grenzwertigen Verhältnisse am Wochenende seien insofern Neuland gewesen.

Das Niveau der Mannschaften ist erneut deutlich gestiegen, was auch Rennleiter Wolfgang Stückl beobachtet hat. "Fast alle Teams sind in dieser Saison seit März auf dem Wasser und trainieren", so Stückl, ein weiterer Beleg dafür, dass die Segel-Bundesliga "ein wahnsinnig erfolgreiches Format" sei. Aber auch ein forderndes: Weitere sechs Regatten stehen an, dazu Relegationen und die Champions League, für die sich Tutzing als Vorjahreszweiter qualifiziert hat.

Weniger erfolgreich verlief das Wochenende für den dritten Klub vom Starnberger See, den Bayerischen Yacht-Club. Der BYC ist vergangene Saison abgestiegen, das Ziel ist die sofortige Rückkehr ins Oberhaus, dafür gestaltete sich der erste Wettkampf reichlich ausbaubar. Platz 15 im 18er-Feld birgt viel Luft nach oben, die widrigen Verhältnisse ließen die gute Vorbereitung der Mannschaft verpuffen. Was bleibt? Die Hoffnung auf mehr Wind im nächsten Rennen.

Ergebnis